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Alexander-Technik: Wissenschaft und Studien

  • Thomas Hirt
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Was zeigen die wichtigsten Studien zur Alexander-Technik? Die Forschung weist darauf hin, dass Unterricht in der Alexander-Technik Menschen mit chronischen Rücken- und Nackenschmerzen unterstützen kann. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf Verbesserungen bei Selbstwirksamkeit, Selbstfürsorge und dem Umgang mit Belastungen.



Warum Forschung wichtig ist

Viele Menschen interessieren sich für die Alexander-Technik aufgrund eigener Erfahrungen oder Empfehlungen. Gleichzeitig stellt sich oft die Frage, ob die Wirkung der Methode auch wissenschaftlich untersucht wurde. Die Alexander-Technik gehört zu den wenigen körperpädagogischen Methoden, deren Wirkung in mehreren hochwertigen wissenschaftlichen Studien erforscht wurde. Besonders bei chronischen Rücken- und Nackenschmerzen liegen aussagekräftige Forschungsergebnisse vor. Darüber hinaus beschäftigen sich einige Studien mit Themen wie Selbstwirksamkeit, Selbstfürsorge und der Fähigkeit, mit Beschwerden und Belastungen konstruktiv umzugehen. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der wichtigsten Forschungsergebnisse.



Chronische Rückenschmerzen

Chronische Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen Alexander-Technik-Unterricht in Anspruch nehmen. Entsprechend gut ist dieser Bereich auch wissenschaftlich untersucht. Besonders bekannt ist die sogenannte ATEAM-Studie, die im renommierten British Medical Journal veröffentlicht wurde. In dieser Studie wurden Menschen mit chronischen Rückenschmerzen über einen längeren Zeitraum begleitet. Die Ergebnisse zeigten, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Unterricht in der Alexander-Technik erhielten, langfristig von einer Verringerung ihrer Beschwerden und einer Verbesserung ihrer Alltagsfunktion profitierten. Die positiven Veränderungen waren auch noch nach zwölf Monaten nachweisbar.


Interessant ist dabei, dass die Alexander-Technik nicht versucht, Schmerzen direkt zu behandeln. Stattdessen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Gewohnheiten im Umgang mit Bewegung, Belastung und Anstrengung bewusster wahrzunehmen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Forschung legt nahe, dass gerade diese Fähigkeiten zu den langfristigen Verbesserungen beitragen können.


Originalpublikation

Little P, Lewith G, Webley F, Evans M, Beattie A, Middleton K et al. (2008).

*Randomised controlled trial of Alexander technique lessons, exercise, and massage (ATEAM) for chronic and recurrent back pain.*

**British Medical Journal (BMJ)**, 337:a884.



Chronische Nackenschmerzen

Neben Rückenschmerzen wurde die Alexander-Technik auch bei chronischen Nackenschmerzen wissenschaftlich untersucht. Besonders bedeutsam ist die sogenannte ATLAS-Studie, eine große randomisierte kontrollierte Studie mit mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Untersucht wurde, ob Unterricht in der Alexander-Technik Menschen mit länger bestehenden Nackenschmerzen unterstützen kann. Die Ergebnisse zeigten, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Alexander-Technik-Gruppe über eine deutliche Verringerung ihrer Beschwerden sowie über Verbesserungen im Alltag berichteten. Diese positiven Veränderungen waren auch noch zwölf Monate nach Beginn der Studie nachweisbar. Wie bereits bei den Rückenschmerzstudien liegt der Schwerpunkt nicht auf der direkten Behandlung von Symptomen. Vielmehr lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Gewohnheiten im Umgang mit Bewegung, Anstrengung und Belastung bewusster wahrzunehmen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass diese Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag zu langfristigen Veränderungen leisten können.


Originalpublikation

MacPherson H, Tilbrook H, Richmond S, Woodman J, Ballard K, Atkin K et al. (2015).

*Alexander Technique Lessons or Acupuncture Sessions for Persons With Chronic Neck Pain: A Randomized Trial.*

**Annals of Internal Medicine**, 163(9), 653–662.



Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge

Einige Forschungsarbeiten zur Alexander-Technik untersuchten nicht nur Veränderungen von Schmerzen oder körperlichen Beschwerden, sondern auch die Frage, was Menschen im Unterricht eigentlich lernen. Dabei zeigte sich, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Verbesserungen in ihrer Selbstwahrnehmung, ihrer Selbstfürsorge und ihrem Umgang mit Belastungen berichteten. Sie fühlten sich besser in der Lage, auf die Signale ihres Körpers zu reagieren und konstruktiver mit Beschwerden umzugehen. In der Forschung wird dies häufig als Selbstwirksamkeit bezeichnet – also die Erfahrung, selbst Einfluss auf das eigene Wohlbefinden und die eigenen Handlungsmöglichkeiten nehmen zu können. Diese Ergebnisse sind besonders interessant, weil sie darauf hinweisen, dass die Alexander-Technik nicht nur auf einzelne Symptome wirkt. Vielmehr lernen Menschen Fähigkeiten, die sie im Alltag anwenden können – beim Sitzen, Gehen, Arbeiten, Musizieren oder im Umgang mit Stress und Belastungen. Die Forschung legt nahe, dass genau diese Veränderungen einen wichtigen Beitrag zu langfristigen Verbesserungen leisten können.


Originalpublikation

Little P, Ballard K, MacPherson H, et al. (2018).

*Self-care and self-efficacy in patients with chronic neck pain: qualitative and quantitative findings from the ATLAS trial.*



Was sagt die Forschung insgesamt?

Die Alexander-Technik wurde in den vergangenen Jahrzehnten in einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien untersucht. Besonders gut erforscht sind chronische Rücken- und Nackenschmerzen, für die mehrere hochwertige randomisierte kontrollierte Studien vorliegen. Die Forschung deutet darauf hin, dass Unterricht in der Alexander-Technik Menschen dabei unterstützen kann, Schmerzen zu reduzieren, ihre Bewegungsqualität zu verbessern und konstruktiver mit Belastungen umzugehen. Darüber hinaus weisen einige Untersuchungen darauf hin, dass Veränderungen in Selbstwahrnehmung, Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit eine wichtige Rolle spielen könnten. Dies entspricht dem Ansatz der Alexander-Technik, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern den Menschen als Ganzes. Wie bei vielen pädagogischen und lernorientierten Methoden lassen sich die Ergebnisse nicht allein auf einzelne Übungen oder Techniken zurückführen. Vielmehr scheint der Lernprozess selbst – das Erkennen von Gewohnheiten und das Entwickeln neuer Handlungsmöglichkeiten – ein wesentlicher Bestandteil der positiven Veränderungen zu sein. Die Forschung entwickelt sich laufend weiter. Die hier vorgestellten Studien gehören zu den wichtigsten Untersuchungen, die derzeit zur Alexander-Technik vorliegen.



Grenzen der Forschung

Wissenschaftliche Studien können wichtige Hinweise auf die Wirkung einer Methode geben. Gleichzeitig kann keine einzelne Studie die gesamte Komplexität menschlicher Erfahrung erfassen. Die Alexander-Technik ist ein individueller Lernprozess. Wie stark Menschen davon profitieren, hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von ihren Zielen, ihrer Situation und ihrer Bereitschaft, neue Erfahrungen zuzulassen. Die hier vorgestellten Studien liefern wertvolle Erkenntnisse, können jedoch die persönliche Erfahrung nicht ersetzen.


Vertiefende Informationen

Wenn Sie tiefer in die Forschung zur Alexander-Technik eintauchen möchten, finden Sie hier weiterführende Informationen und wissenschaftliche Quellen:


* Die internationale Forschungsübersicht der Society of Teachers of the Alexander Technique (STAT), https://alexandertechnique.co.uk/alexander-technique/published-research


Möchten Sie die Alexander-Technik selbst kennenlernen?

Die Alexander-Technik lässt sich nur begrenzt beschreiben – letztlich geht es darum, sie selbst zu erfahren. Wenn Sie neugierig geworden sind, finden Sie Informationen zu Einzelstunden und Workshops auf meiner Website:


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